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Friday, 19 April 2013

VIELLEICHT ÜBERMALE ICH DIE NARBEN MIT FARBE UND NENNE MICH LEBENSKÜNSTLER.


Hab ein paar alte Bilder von mir gefunden. Irgendwie sehe ich auf dem ersten Bild aus wie so ein Kind in 'nem Horrorfilm. Okay, ich war noch nie wirklich fotogen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie müde ich zurzeit bin. Ich brauch unbedingt mehr Tage Wochenende. Unbedingt.

Ich stehe auf und will gehen, du hältst meinen Arm fest. »Lass mich los.«, sage ich mit erstickter Stimme. »Was ist mit dir los?«, fragst du hinter mir. Ich kann dein Gesicht nicht sehen, aber kann mir deinen besorgten Gesichtsausdruck denken. Versuche mich aus deinem Griff zu winden, doch du lockerst ihn nicht. »Lass mich los.«, sage ich wieder, meine Stimme bricht. »Erst, wenn du mir sagst, warum du weinst.« Ich schüttel nur meinen Kopf und antworte nicht - habe Angst davor, dass du dabei sein wirst, wenn ich meine Kontrolle verliere. »Bitte.« Nur ein Flüstern - ein wisperndes Flehen, das mein Mund verlässt. Ich höre wie du hinter mir aufstehst, mein Handgelenk immer noch festhältst. »Schau mich bitte an.« Ich höre die leise Verzweiflung aus deiner Stimme heraus. >Ich kann nicht.<, hätte ich gerne gesagt. >Du sollst mich nicht so sehen. Wenn du mich gehen lässt, musst du das nicht sehen.< Aber ich bekomme keinen Ton mehr aus mir heraus, kann nicht reagieren. Als du mein Handgelenk loslässt und deine Arme um mich legst, bricht etwas in mir zusammen - breche ich zusammen. Du lockerst kurzzeitig deinen Griff, ich gehe auf die Knie und lasse mich auf den Boden fallen. Meine Tränen verdecken mir die Sicht während ich versuche, keine Geräusche von mir zu geben und mein Schluchzen zu unterdrücken. Ziehe meine Beine wieder an, mache mich klein und vergrabe mein Gesicht in meine Knie. Wieder sind deine Arme um mich geschlungen. Du redest auf mich ein. Dass alles gut wird, sagst du. Dass du da bist und dass ich nicht alleine bin. Wäre das ein Liebesfilm, hätte ich meine Augen verdreht. Aber das hier ist kein Film und auch keine Liebesszene. Das hier ist mein Leben und hier ist keine Liebe. Das einzige, was hier ist, ist meine Verzweiflung. Ich habe das Gefühl als würde ich ertrinken. Wieder. Du hältst mich fester, doch das bringt nichts. Es sind nicht deine Arme, nach denen ich mich sehne. Nicht die Arme, die mich retten können - die mich aus dem Wasser ziehen können. Es gibt keinen Retter mehr. Ich bin verloren.

12 comments:

  1. Es ist doch wirklich seltsam, wie unterschiedlich die Reaktionen der Menschen auf Fotos und Kameras im Westen und im Osten dieser Welt ausfallen. Packt man in z.B. in Deutschland die Kamera aus, rennen viele davon oder machen erst einen Zwergenaufstand, bevor man sie fotografieren darf. Ähnlich fallen dann die Reaktionen aus, wenn man die Bilder zeigt. Gestern war ich mit meiner Kamera in einem Armenviertel Bangkoks unterwegs. Als ich meinen Fotoapparat hervorholte, hatte ich sofort einen riesigen Gnubbel von Kindern vor der Linse, die sich fürs Foto in Position brachten. Ähnliches gilt für die Erwachsenen. Und dann die Freude und das Gelächter, wenn man ihnen die Fotos zeigt. Und diese Reaktion kann man in allen Gesellschaftsschichten und an nahezu jedem Ort hier feststellen. Selbst Kleinstkinder setzen sofort ein strahlendes Lächeln auf und nehmen eine bevorzugte Fotoposition ein, wenn man nur eine Digitalkamera oder ein Handy auf sie richtet. Aber wehe, ich versuche mal ein Bild von meiner Frau zu machen! Warum Menschen, die in Europa aufgewachsen sind, oft Probleme mit Fotos von sich selbst haben kann ich mir nicht erklären. Haben vielleicht viele Minderwertigkeitskomplexe und halten sich selbst für zu hässlich oder sie sind einfach zu eitel und finden, dass die Fotos ihnen nicht gerecht werden? Ich finde jedenfalls, dass du ein niedlicher Fratz warst.

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    1. Das hört sich echt interessant an. Wenn ich immer meine Kamera rausnehme, drehen sich alle in einem Umkreis von fünf Metern um oder verdecken ihr Gesicht bis ich sie überreden kann, in die Kamera zu schauen. Aber bei mir ist das nicht anders - ich weiß auch nicht richtig, warum. Vielleicht sind wir hier einfach nur viel verschlossener - ich hab wirklich keine Ahnung. Aber danke. :D

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  2. Oh Gott. Der letzten Sätze sind so traumhaft Du hältst mich fester, doch das bringt nichts. Es sind nicht deine Arme, nach denen ich mich sehne. Nicht die Arme, die mich retten können - die mich aus dem Wasser ziehen können. Es gibt keinen Retter mehr. Ich bin verloren.
    Die Geschichte ist so gut, ich konnte es mir richtig bildlich vorstellen. :)
    Weißt du, was ich an meinen Kindheitsfotos immer am interessantesten finde? Ich frage mich, wie ich damals wohl gedacht habe. Wie die Welt aus meinen Augen aussah. Ob ich schon das war, was ich heute schon bin.
    Danke, dass du immer so Schönes schreibst. :)
    ♥, Dornröschen

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    1. Danke dir immer wieder für deine Worte. ♥
      Ja, das frage ich mich auch oft - aber das meiste wird mir erzählt, weil ich mich nicht sehr gut an meine Kindheit erinnern kann. Und von dem, was mir erzählt wird, war ich früher wahrscheinlich genau das Gegenteil von dem, was ich jetzt bin. Und dann frage ich mich, warum.

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  3. ach was erzählst du, du sahst doch total süß aus :)

    debb-y.blogspot.de

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    1. Haha, danke. Aber diese schwarzen Augenhöhlen und die Tatsache, dass ich böse gucke finde ich trotzdem gruselig. :D

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  4. Hallo ♥
    Das ist das erste Mal, dass ich auf deinem Blog einen Kommentar verfasse, bin aber auch erst gestern über ihn gestolpert. Und ich muss sagen, dass er mir irre gut gefällt. Ich mag die Bilder und die Texte, die Ehrlichkeit und die Tatsache, dass man sich super mit ihnen identifizieren kann. Du bist wirklich talentiert. Ich bleib dabei, auf jeden Fall.


    Alles Liebe,
    Laura
    http://glasmillion.blogspot.ca

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    1. Ich muss gerade wegen deinem Kommentar lächeln. Vielen, lieben Dank! Das freut mich echt, dass mein Blog dir so gut gefällt. Das ist echt lieb von dir - danke, danke, danke. ♥

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  5. Die Fotos sind total schön.

    Lg, Lena ♥

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Dear whoever is reading this, everything is going to be alright.