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Monday, 15 April 2013

50 STORIES {FREUNDE}

Wir schreiben jetzt schon seit fünf Stunden - es ist mitten in der Nacht und ich will nicht schlafen. Ich habe beschlossen, nachts nicht mehr viel zu schlafen und dafür am Tag. Weil mich die Nacht auffrisst. Du hattest mich angeschrieben und ich habe, wie in letzter Zeit oft, resigniert wodurch kein richtiges Gespräch zustande kam. Aber du hast nicht aufgehört zu schreiben, schreibst von  einer neuen Band, die du gefunden hast und du sehr toll findest. Und irgendwann war ich dankbar dafür - bin es immer noch. Es tut gut zu wissen, dass dir etwas an mir liegt - sei es auch nur, weil dir gerade langweilig ist. Dass überhaupt jemand etwas an mir liegt. Du schreibst, dass es klar ist - das machen Freunde halt. Freunde. Ich habe lange über dieses Wort nachgedacht. Ich weiß nicht, was sie für mich sind. Vor ein paar Monaten hätte ich gesagt: »Freunde sind die Personen, die da sind, damit du nicht vollkommen vereinsamst. So etwas wie Lückenfüller, die kommen und gehen.« Jeder war irgendwie Freund. Aber nun bin ich mir dessen nicht mehr sicher. In den letzten Monaten habe ich sehr viele Menschen (näher) kennengelernt, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, dass ich es schrecklich finden würde, wenn sie jetzt gehen würden. Vielleicht liegt es nicht unbedingt an die Menschen, sondern daran, dass ich viel offener geworden bin. Offen nicht im Sinne von Extrovertiertheit, sondern im Sinne von ehrlich sein - nicht mehr so viel vortäuschen zu sein. Ich habe ehrlich gelacht, ehrlich Angst, bin ehrlich unsicher und ehrlich sowieso. Und durch diese Ehrlichkeit kann ich jetzt sagen, was Freunde für mich sind. Freunde sind die Menschen, die da sind. Enge Freunde sind aber die Menschen, die wissen, wer ich bin. Und damit meine ich nicht nur einen Teil von mir, sondern auch die anderen Teile. Der Teil, mit dem wir über die dümmsten Dinge lachen - und ich meine so richtig lachen, dass man krampfhaft versucht aufzuhören, weil es eigentlich wirklich so unlustig ist. Der Teil, mit dem wir über unsere Probleme sprechen - auch wenn es bei mir immer eine Weile dauert bis ich über meine wichtigen Probleme rede. Der Teil, mit dem wir einfach schweigend dasitzen können und es einfach ausreicht. Der Teil, mit dem wir uns an schon längst vergangene Situationen erinnern. Oder auch der Teil, mit dem ich das Gefühl von Vertrautheit habe - der Teil, mit dem ich über mein Leben rede und ich das Gefühl habe als verstünden sie mich irgendwie. Als würden sie mich nicht merkwürdig finden.

5 comments:

  1. dankeeee <3
    ja es gibt wirklich nichts besseres!
    x

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  2. Ich finde deinen Text - wie immer eigentlich - so wunderschön. Du kannst es gut beschreiben. :) Aber ich habe generell keine Freundin, die so ist, wie du sie oben beschrieben hast. ... Naja, vor ein paar Monaten, dachte ich eigentlich so eine gefunden zu haben, aber das war dann wohl Fehlanzeige. So etwas tut echt weh. :/
    ♥, Dornröschen

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    1. Danke. Ich brauchte auch echt lange bis ich solche Freunde gefunden habe. Und in manchen Situationen frage ich mich auch, ob sie wirklich so gute Freunde sind wie ich sie sehe - in Situationen, wo sie mich enttäuschen zum Beispiel. Vielleicht liegt es auch an mir. Wir müssen einfach auf die richtigen Personen warten, denke ich. :)

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  3. Freunde dürfen auch "mal" enttäuschen, denn sie sind auch nur Menschen. Jeder macht Fehler. Dass ist allerdings kein Freibrief für generell mieses Verhalten oder vorsätzliche Bosheit.
    Aber ein/e echte/r Freund/in nimmt es einem dann auch nicht übel, wenn man ihm/ihr mal die Wahrheit sagt, auch wenn diese in dem Moment weh tut - wirkliche Freundschaft kann ehrliche Kritik ertragen - wirkliche Freundschaft kann verzeihen!

    Holger

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    1. Na klar, da hast du vollkommen recht - man muss sich verzeihen können. Aber manchmal sind das echt große Enttäuschungen, wo man die Freundschaft ernsthaft anzweifelt.

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Dear whoever is reading this, everything is going to be alright.